Rezension,  Roman

Es ist Sarah – Pauline Delabroy-Allard

Von „Es ist Sarah“ habe ich mir anfangs mehr erhofft, als am Ende dabei herumgekommen ist. Die Empfehlung der Pressesprecherin der Frankfurter Verlagsanstalt plus die hervorragenden internationalen Kritiken, konnten mich sofort von dem Buch überzeugen. Leider war die Realität – und somit mein eigener Leseeindruck – eine andere. Was mich letztendlich an „Es ist Sarah“ gestört hat, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Allgemeine Infos zum Buch

Titel: Es ist Sarah
Autorin: Pauline Delabroy-Allard
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
Seitenzahl: 192
Preis: Hardcover (22€), E-Book (14,99€)
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Zum Inhalt

Sie kommt zu spät, atemlos lachend, sie ist voller Leben. Sie spricht zu laut, zu schnell, sie ist zu stark geschminkt, ein Moment wie in Zeitlupe: Es ist Sarah. Am Silvesterabend begegnen sie sich zum ersten Mal: die Erzählerin, eine Lehrerin und frisch getrennte junge Mutter, und Sarah, die hochbegabte und exaltierte Violinistin. Beide leben in Paris, auf den ersten Blick vielleicht das Einzige, was sie verbindet. Sarah ist temperamentvoll, impulsiv, leidenschaftlich, die Erzählerin eher kontrolliert, unauffällig. Eine Freundschaft entspinnt sich zwischen diesen unterschiedlichen Frauen, die in einem Crescendo zu einer Amour fou anhebt, die alles hinfortfegt, was die Erzählerin zuvor gelebt hat: die Trennung von ihrem Ex-Mann, ihr Hadern, ihre Selbstbeherrschung. Doch so schnell und alles verzehrend ihre Leidenschaft entflammt, desto verheerender wird die Harmonie zerstört. Als Sarah erkrankt, flieht die Erzählerin nach Triest, streift alles ab außer der Erinnerung an ihre große tragische Liebe.


Meine Meinung

Obwohl „Es ist Sarah“ nur 192 Seiten aufzuweisen hat, zieht sich die Handlung zum Teil wie Kaugummi. Die erste Hälfte des Buches – als die Protagonistin Sarah kennenlernt – geht wahnsinnig schnell vorbei. Es lässt sich einfach so weg lesen. Dies ist zum Teil den kurzen Kapiteln (vereinzelt nur eine halbe Seite lang – wodurch einige größere Zeitsprünge möglich werden) zu verschulden, aber auch andererseits dem rasanten Schreibstil von Pauline Deabroy-Allard. Man wird regelrecht in die aufkeimende Liebesbeziehung hineingezogen und verfällt einem gewissen Sog. Im Mittelpunkt der Handlung steht jedoch zu jeder Zeit Sarah – immer nur Sarah. Die Erzählerin lernt man nur kaum kennen, obwohl der Roman aus ihrer Perspektive erzählt wird. Wenn ich mich recht erinnere, lernen wir noch nicht einmal ihren Namen kennen – zumindest fällt er mir nicht mehr ein und ich konnte ihn auf die Schnelle auch nicht mehr finden. Dies hat mich wirklich enttäuscht, denn die Beziehung sollte sich, meiner Meinung nach, nicht nur um Sarah drehen. Hier wurde bewusst (hoffe ich zumindest) eine dermaßen toxische Beziehung konstruiert, die ihren Höhepunkt in Sarahs Krankheit findet. Statt das die Erzählerin sich auf ihre Seite schlägt und Sarah auf ihrem Weg unterstützt, verkümmert sie regelrecht selbst. Ihre erdrückenden Gefühle und das triefende Selbstmitleid sind nur schwer zu ertragen und lassen das Buch wahnsinnig intensiv, aber auch schwer werden. Die Lust weiterzulesen verfliegt nahezu gänzlich. Zumal ich mit solch einem tragischen 2. Teil niemals gerechnet hätte.

Ich kann durchaus die positive Kritik verstehen und auch nachvollziehen, doch diese emotionale Selbstzerstörung muss man wohl einfach mögen – was auf mich nicht zutrifft. Diese übertriebene Abhängigkeit von einer einzigen Person war mir einfach zu viel – zu toxisch. Zumal die Erzählerin bereit ist (Achtung Spoiler!) ihre Tochter zurückzulassen, um sich ihrem Selbstmitleid hinzugeben. (Spoiler Ende!)

Faszinierend war jedoch zu sehen/lesen, wie sich der sprachliche Ausdruck wandelt. Dominieren im 1. Teil kurze Kapitel und kurze Sätze, die vorrangig mit „Sie“ beginnen (untermauert noch einmal die toxische Beziehung) sind die Kapitel im 2. Teil deutlich länger und die Protagonistin transportiert mittels der Sprache Emotionen, die einen ihren Weltschmerz fühlen lassen und einen mit nach unten ziehen.

Leider habe ich mir von „Es ist Sarah“ mehr erhofft, vor allem weil es eben auch so positiv beworben worden ist und in Frankreich, der Heimat der Autorin, gut angekommen zu sein scheint. Besonders gestört hat mich der Fokus, der gänzlich auf Sarah gelegen hat, sodass man die Protagonistin nicht wirklich kennenlernen konnte. Dies erschwerte einem die Möglichkeit, sich auf die Erzählerin einzulassen und ihren Schmerz mitzufühlen. Sie schien leider regelrecht unsichtbar, in einer Welt voll Sarah, zu sein.

Eure Isa.

*Rezensionsexemplar

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