Auf dem Bild ist das Buch "Vladimir" von Julia May Jones zu erkennen. Das Buch steht auf der ecke eines Fernsehtischs mit Holzplatte.
Belletristik,  Rezension

Rezension | Vladimir – Julia May Jonas

Dieses Buch zu lesen, war ein Erlebnis. Es war wild, absurd und ab einem Punkt ziemlich fesselnd. Aber beginnen wir am Anfang: Die Protagonistin des Romans – Literaturprofessorin an einem amerikanischen College – wird mit den Vorwürfen konfrontiert, ihr Mann habe mehrere sexuelle Beziehungen zu seinen Studentinnen geführt. Für die namenlose (wenn ich mich recht erinnere) Protagonistin keine besondere Neuigkeit. Die Vereinbarung einer offenen Ehe schlug sie ihrem Mann vor einigen Jahren vor. Doch mit den aktuellen Konfrontationen gerät nicht nur ihre Beziehung zueinander ins Wanken. Vielmehr steigert sich die Protagonistin in eine Obsession für ihren zwanzig Jahre jüngeren Kollegen: Vladimir Vladinski. Mit dieser Obsession nimmt das Buch und all seine Dramen ihren Lauf. 


Vladimir
von Julia May Jonas
übersetzt von Eva Bonné
erschienen bei Blessing
Hardcover (24€) | E-Book (18,99)
352 Seiten


Was zunächst spannend und vielseitig klingt – ich liebe alle Beschreibungen ihres Berufsalltags; lassen sie mich doch an mein eigenes Germanistikstudium zurückdenken – hat allerdings einige Schwächen: Anfangs hatte ich schlicht Probleme mit der Protagonistin. Mit dem ständigen Nörgeln über ihren unglaublich alten und faltigen Körper verfällt die Protagonistin immer wieder in die gängigen Schönheitsideale (bin mittlerweile doch recht schnell genervt, wenn immer wieder feste Strukturen aufgegriffen werden, statt neue Wege einzuschlagen). Im Laufe des Romans scheint allerdings eine Entwicklung stattzufinden, denn die Protagonistin bemerkt, dass sie in altbekannten Strukturen feststeckt ist und dass sie, obwohl sie ihre Tochter davor versucht hat zu bewahren, nicht wirklich daraus ausbrechen kann. Sie braucht die Bestätigung von anderen Personen – besonders die Bestätigung von Vladimir, der, so scheint es, selbst stetig auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Betätigung ist. 

Plätschert also die ersten 2/3 der Handlung recht unspektakulär dahin, bricht die gesamte Handlung im letzten Drittel aus. Auf einmal passiert – auf verschiedenen Handlungssträngen – so viel, dass man beim Beenden des Buches erst einmal pausieren muss, um zu verstehen, was da grade wirklich passiert ist. Den Teil mochte ich wirklich gerne, auch wenn es von allem zu viel und auf eine gewisse Weise trashig wirkte. Zwar wurden manche Entwicklungen im Verlauf des Romans angedeutet, doch Julia May Jonas konnte mich dennoch überraschen. 


Ich kann bis jetzt noch nicht sagen, ob ich „Vladimir“ grandios fand oder einfach einen ticken to weird. Falls ihr es gelesen habt, wie hat es euch gefallen?

One Comment

  • Zeilentänzerin

    Das klingt interessant. Mich würde wahrscheinlich auch störem, dass die Handlung erst recht spät an Fahrt aufnimmt. Das Cover finde ich sehr ansprechend. Ich kannte das Buch allerdings bisher gar nicht. Danke für die Rezension!

    Zeilentänzerin

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