Rezension,  Roman

Alte Sorten – Ewald Arenz

Seid ihr auf der Suche nach dem perfekten Buch für den Herbst? Dann habe ich hier etwas für euch: “Alte Sorten” von Ewald Arenz. Die aktuelle Lektüre des Lesekreises von Maria-Christina Piwowarski. Sie verspricht nicht nur optisch ein herbstliches Setting, sondern auch der Inhalt könnte kaum besser zum aktuellen Wetter passen.


Allgemeine Infos zum Buch

Titel: Alte Sorten
Autor: Ewald Arenz
Verlag: Dumont
Seiten: 256
Preis: Hardcover (20€), E-Book (10€)

Zum Inhalt

Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen.

Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere Anwesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.

Meine Meinung

Liest man den Klappentext von “Alte Sorten” kann schnell die Vermutung aufkommen, dass hierbei mit Klischees gearbeitet wird und der Plot recht schnöde daher kommt; ein Generationskonflikt: Liss – als erwachsene Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und sich scheinbar von keiner Problematik erschüttern lässt und die junge Sally. Eine 17-Jährige, die psychische Probleme, Magersucht und den pubertären Kampf gegen die Eltern zu bewältigen versucht. Bereits an der sprachlichen Ausdrucksweise werden die Unterschiede der beiden Frauen deutlich. Sally artikuliert sich häufig sehr direkt und impulsiv, wohingegen Liss all ihre Worte abzuwägen scheint. Doch liest man ein wenig im Text, muss man recht schnell feststellen, dass zwar einige Klischees bedient werden, aber die Handlung eine gewisse Raffinesse aufweist, die das Lesevergnügen auf gekonnte weise unterstützt. Was zunächst als eine sehr konträre Situation wirkt, entpuppt sich schnell als hochemotionaler Roman, indem die beiden Protagonistinnen die Ähnlichkeiten zum anderen feststellen und ihre eigenen Leben hinterfragen. Doch die Tatsache, dass Sally von zu Hause ausgerissen ist und polizeilich gesucht wird, scheint die neu gefundene Freundschaft langfristig zu bedrohen.
Besonders die Charakterentwicklungen, die sowohl Liss als auch Sally durchleben, haben mich überzeugen können. Es scheint fast so, als hätten sie einander gebraucht, um ihr Leben als solches wahrzunehmen und auch die positiven Seiten daran wieder entdecken zu können. Scheinen beide Protagonistinnen zunächst recht verschlossen – dass beide Geheimnisse haben, wird bereits auf den ersten Seiten deutlich – öffnen sie sich nicht nur einander, sondern auch gegenüber den Leser*innen.

Für mich war “Alte Sorten” das perfekte Buch für das aktuelle Wetter. Herbstlich sonnig – das perfekte Wetter, um einen Sonntag mit dem perfekten Buch draußen zu verbringen. Klare Leseempfehlung!

Eure Isa.

One Comment

  • Zeilentänzerin

    Hallo liebe Isa, endlich komme ich wieder zum Kommentieren und kann deinen Blog intensiv weiterverfolgen! Ein schönes Gefühl, wieder zu bloggen und vor allem zu lesen! Vllt finden wir ja bald ein Buch für ein gemeinsames, zweites Buddy-read?! Womöglich auch eines für die Weihnachtszeit?! Hätte ich List drauf =) Von “Alte Sorten” habe ich bisher wenig gehört, es aber schon oft im Buchladen entdecken können. Deine Rezension klingt begeistert und macht neugierig auf das Buch!

    Schönes Wochenende dir!
    Zeilentänzerin

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