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Jahreshighlights 2019 #1: die ersten sechs Monate

Man mag es kaum glauben, aber die ersten sechs Monate des Jahres 2019 sind schon wieder vorüber und somit beginnt die zweite Jahreshälfte. Wo ist eigentlich die Zeit geblieben?
Ich möchte den neuen Monat nutzen, um einmal auf die erste Hälfte des Jahres zurück zu blicken und ein kleines Resümee zu ziehen.
Mein Jahresziel bestand darin, 47 Bücher zu lesen – also mein ganzer SUB. Gelesene Bücher sind es bisher 28 (9652 Seiten), aber leider sind es weniger Bücher von meinem SUB, als ich es mir vorgenommen hatte. Einige Bücher waren fortlaufende Teile einer Reihe, die ich mir Anfang des Jahres selbst erlaubt hatte. Andere sind Rezensionsexemplare oder neu gekaufte. Obwohl das wie ein Versagen auf ganzer Strecke aussieht, möchte ich mein SUB-Jahr nicht für beendet erklären, denn tatsächlich kaufe ich dadurch bewusster ein und entscheide mich gezielt, welche Rezensionsexemplare ich lesen bzw. welche Neuerscheinungen ich kaufen möchte. Ehrlich gesagt, tut mir das gerade richtig gut. Es fühlt sich befreit an und nicht mehr unter dem Druck zu stehen, immer die neuesten Bücher lesen zu müssen. Eine gesunde Mischung aus beidem ist gerade das Richtige für mich. Zumal ich mittlerweile immer mehr gebrauchte Bücher bzw. Mängelexemplare kaufe. Letztes Jahr hätte ich mir zum Beispiel wohl niemals gebrauchte Bücher gekauft. Daher versuche ich meine zweite Jahreshälfte unter dem Motto „Weniger ist mehr“ laufen zu lassen. Ich bin gespannt, wie es mir am Ende des Jahres damit gehen wird.

Meine Halbjahreshighlights

Das Motto „Weniger ist mehr“ passt auch ziemlich gut zu meinen Highlights. Zwei Titel haben aus der Masse herausgestochen und mich nachhaltig und langfristig berührt. Beide dürfen auf den Titel „Buch des Jahres“ hoffen.



1. Kurt – Sarah Kuttner (Rezension)

2. Die Liebe im Ernstfall – Daniela Krien (Rezension)


Mein erstes Highlight war definitiv „Kurt“ von Sarah Kuttner. Anfangs stand ich dem Buch ein wenig skeptisch gegenüber und war fest davon überzeugt, dass der Hype ungerechtfertigt sei, aber ich musste mir sehr bald eingestehen, dass ich wieder einmal falsch lag und die Kaufentscheidung wohl eine der besten seit langem war. Kuttner zog mich mit ihren Protagonisten Kurt und Kurt sofort in ihren Bann und der Schicksalsschlag rund um den kleinen Kurt (ich hatte den Klappentext leider nicht gelesen, sonst hätte ich es gewusst) hat mich fassungslos und aufgewühlt zurückgelassen. Aber ohne den Tod des kleinen Kurtes, der wohl als einer DER Wendepunkte anzusehen ist, hätte die Folgehandlung nicht stattfinden können. Denn Kuttner wirft die Frage in den Raum, wie eine Familie bzw. ein Paar solch einen Schicksalsschlag verkraften und vor allem überstehen kann. Zumal Kuttner eine Besonderheit eingebaut hat, denn es handelt sich bei Lena und Kurt um eine Patchworkfamilie, die die Trauer von Lena unweigerlich verkomplizieren. Darf man trauern, obwohl man nicht die „echte“ Mutter ist und wie geht man damit um, dass der eigene Mann sich immer mehr zurückzieht und somit die eigene Beziehung auf Messers Schneide steht.

Ich denke, es wird ziemlich deutlich, was Kuttner mit ihrem Buch „Kurt“ versucht: das wahre Leben einfangen und mit einer einfachen, aber doch sehr ansprechenden Sprache, wiederzugeben. Es fühlte sich zweitweise so an, als würde eine gute Freundin rückblickend erzählen, wie ihr letztes Jahr verlaufen ist und gerade, weil es sich so anfühlt, habe ich mit Lena und Kurt von Seite zu Seite mitgefiebert, gelacht und wohl auch die ein oder andere Träne verdrückt.
Ich fühlte mich am Ende von „Kurt“ einerseits versöhnlich und glücklich aber auch gleichzeitig allein und zurückgelassen. Es verstärkte noch einmal mein Empfinden, dass „Kurt“ etwas Besonderes ist, das ich euch unbedingt ans Herz legen möchte.

Dieses Gefühl löste auch mein zweites Jahreshighlight aus: „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien. Kriens neuestes Werk fand seinen Weg über die Schmökerbox zu mir und wie es manchmal das Schicksal so möchte, war es das perfekt ausgewählte Buch für mich.
Fünf Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und die alltäglichen Hindernisse überwinden müssen und in all dem Chaos versuchen, ihre Liebe aufrecht zu erhalten oder sich neu zu verlieben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es hierbei um die noch vorhandenen Gefühle zum Ex-Mann oder die Liebe zur Familie handelt. Dabei bauen alle Geschichten und somit das Leben der fünf Frauen aufeinander auf und sie scheinen alle durch einen unsichtbaren Faden miteinander verwoben zu sein, was augenscheinlich nicht sofort auffällt. Sobald sich jedoch der Aha-Moment einstellt, sieht man die „Die Liebe im Ernstfall“ mit ganz neuen Augen.
Auch Krien gelingt es mittels ihres sprachlichen Stils, der sehr angenehm zu lesen ist und einige sprachliche Raffinessen aufweist, Emotionen und Gefühle in mir auszulösen. Bereits in meiner Rezension zu „Die Liebe im Ernstfall“ zitierte ich Karla Paul und auch heute noch kann ich ihrer Aussage voll und ganz zustimmen. Mit all diesen Frauen würde ich gerne mal ein Gläschen Wein trinken und über das Leben philosophieren. Den Charm und diese innere Stärke, die all ihre Figuren aufweisen, hat mich von Beginn an fasziniert. Die Seiten flogen nur so dahin und das klassische Gefühl, dass man unbedingt wissen möchte, wie das Ganze ausgeht, aber gleichzeitig auch der Drang das Ganze einzuschweißen und nicht mehr los zu lassen, war mehr als einmal präsent.
Ich mochte es sehr, wie Daniela Krien die unterschiedlichen Fassetten der Liebe dargestellt hat und wie sie versucht hat, das tägliche Leben von Frauen in ihren 30er-40er Jahren darzustellen. Ein klassischer Pageturner, den ich euch ans Herz legen möchte. Ihr werdet nicht enttäuscht, vertraut mir.

Eure Isa.

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