Rezension,  Roman

Die Glasschwestern – Franziska Hauser

Ich habe mich selten so durch ein Buch gequält – hätte ich es nicht als Rezensionsexemplar bekommen und hätte es nicht in einem Buddy-Read gelesen, ja dann hätte ich es wohl abgebrochen. Wovon ich rede? “Die Glasschwestern” von Franziska Hauser. Nachdem mir “Die Gewitterschwimmerin” wirklich gut gefallen hatte, wollte ich ihren neuesten Roman unbedingt lesen – zumal der Klappentext eine Thematisierung der DDR verspricht. Warum mir “Die Glasschwestern” so gar nicht zusagen konnte, versuche ich euch in den folgenden Zeilen niederzuschreiben.

Allgemeine Infos zum Buch

Titel: Die Glasschwestern*
Autorin: Franziska Hauser
Verlag: Eichborn
Seiten: 430
Preis: Hardcover (22€), E-Book (14,99€)


Zum Inhalt

Dunja lebt mit ihren zwei Kindern und deren Vater in der Großstadt, ihre Zwillingsschwester Saphie in einem kleinen Dorf an der ehemals deutsch-deutschen Grenze. Als der Zufall auf irrwitzige Weise zuschlägt und innerhalb kurzer Zeit die Männer der beiden sterben, nähern die Schwestern sich einander wieder an. Dunja zieht in Saphies Hotel und damit zurück in die Welt ihrer Kindheit. Die Geschichte zweier sehr verschiedener Frauen und über die menschliche Fähigkeit, sich immer wieder neu erfinden zu können. 
Ein Generationenroman aus dem ehemaligen Grenzgebiet, der alte Geschichten, Geheimnisse und Lügen zutage fördert und gleichsam ein Vergeben der Vergangenheit und Annehmen der Gegenwart ermöglicht.


Meine Meinung

Von Franziska Hausers erstem Roman wusste ich bereits, dass ihr sprachlicher Stil erarbeitet werden muss und die Handlung nicht einfach herunterlesen werden kann. Darauf hatte ich mich vorbereitet – doch ich wurde auf eine andere Weise eiskalt erwischt: Ich kam nur sehr mühselig in die Handlung hinein – die Charaktere waren mir teilweise zu flach, zu wenig detailliert ausgearbeitet, sodass ich wenig Verbindung zu ihnen aufbauen konnte. Dadurch fiel es mir zusätzlich schwer, mich in die Folgehandlung einzufühlen und mit den Figuren mitzufiebern.

Obwohl mir die Grundidee des Plots wirklich gut gefiel: Zwei Frauen, die fast zeitgleich ihren Ehemann verlieren. Doch nicht nur der Tod ihrer Männer scheint sie zu verbinden, sondern auch die Tatsache, dass sie Zwillinge sind. Jede Schwester hat ihren ganz eigenen Charakter und eine eigene Vorstellung vom Leben – doch im Laufe der Handlung scheinen sich die Rollen der Schwester zu tauschen. Der Tod der Männer ist ein solch entscheidender Einschnitt in ihr Leben, dass beide ihre bisherigen Lebensentscheidungen überdenken. Trauerbewältigung und Selbstverwirklichung nehmen einen großen Teil in “Die Glasschwestern” ein – Themen die, wenn sie gut ausgearbeitet sind, sehr berühren können. Auch die DDR wird in “Die Glasschwestern” thematisiert – einer der Gründe, warum ich es unbedingt lesen wollte. Für mich ein kleiner Lichtblick, denn die DDR-Thematik fand ich sehr spannend – persönliche Schicksale, auch wenn sie fiktional sind, faszinieren mich immer wieder.

In “Die Glasschwestern” gab es allerdings auch 2-3 Stellen, die mir persönlich etwas aufgestoßen haben:

“Seine [Ninos] Zähne leuchten im dunklen Gesicht wie Phosphorsterne, […].
‘Ich bin schwarze Mann in weiß Dorf. Ich immer muss können rennen schnell, […].”

S. 106

“[…] führte sie in einen Raum, in dem laut singende Chinesen die weißen Pilze kochten. Sie saßen in den Ecken, löffelten Suppe, nickten Sophie zu und redeten über sie. Plötzlich hatte Saphie Angst, sie würden Hewimann* kochen.”

*Name des Hundes; S. 279

Ich möchte der Autorin nichts unterstellen – doch beide Textstellen empfinde ich als sehr problematisch. Sie führt hier Klischees auf, die diskriminierend wirken können – auch wenn dies nicht die Absicht sein sollte. Besonders gestört habe ich mich daran, dass Nino eher ein Mittel zum Zweck ist. Er wurde vordergründlich in Saphies Hotel als Aushilfe eingestellt, damit Dunja einer Aufgabe – sie bringt ihm die korrekte deutsche Sprache bei – hat. Zwar wird Nino in die Familie integriert, doch die Beschreibung seiner Hautfarbe plus das gebrochene Deutsch, wirken hier vollkommen fehl am Platz. Zumal seine Herkunft zu keiner Zeit beschrieben wird. Die Handlung hätte Informationen zur Hautfarbe nicht bedürft – vielmehr entstehen dadurch Missverständnisse, die anders gegebenenfalls nicht aufgetreten wären. Der Fantasie wird hier zu viel Spielraum gegeben – grade in der heutigen Zeit sollte darauf geachtet werden, dass solchen Gedankengängen kein Nährboden geliefert wird.

Rückblickend fühlt sich “Die Glasschwestern” wie eine Aneinanderreihung von Krisen und Konflikten an, die zwar alle miteinander verbunden sind, aber doch recht unwirklich und übertrieben wirken. Jede Figur bekommt ihr persönliches Drama – die Handlungen bringen sie allerdings nur bedingt voran. Hätte ich “Die Glasschwestern” nicht als Rezensionsexemplar bekommen und hätte ich es nicht mit Zeilentänzer (sie hat ihre Meinung ebenfalls in einer Rezension niedergeschrieben) in einem Buddy read gelesen – ja dann hätte ich es wohl abgebrochen. Leider so gar nicht mein Buch.

Eure Isa.


*Rezensionsexemplar

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